Zu den Plastiken von Thomas Carl
 
Die Plastiken - ob Köpfe, Halb- oder Ganzfiguren - wirken durch ihren befremdenden Realismus. Es sind ohne jeden Zweifel Menschenbilder, die Thomas Carl vorstellt, in durchaus traditioneller Darstellung wie Stehen, Hocken oder Sitzen. Was ist es aber, was die Figuren aussehen lässt, als gehörten sie zum Bestand einer skurrilen Präparatensammlung? Liegt es am Material - unbehandeltes Zeitungspapier durch Eisendraht in Form gehalten - aus dem sie größtenteils bestehen? Kann es herrühren vom partiellen Materialmix mit Versatzstücken aus der Warenwelt wie Perücken, Federn, Brillen, Nadeln, Strumpfhosen, Hüten, Hosen, Schuhen, Tischen, Stühlen oder gerade durch das gegensätzliche Zusammenspiel beider?

Allen Figuren gemeinsam ist ihre de-idealistische Erscheinung, denn wohl zu keiner Zeit wäre der ihnen zugrunde liegende ästhetische Entwurf als "schön" empfunden worden. Und trotzdem wird von ihnen der Blick des Betrachters gefangen genommen - kopfschüttelnd, gerührt, ablehnend, fasziniert, ratlos, erheitert, widersprechend, bewegt, verunsichert, angewidert, einfühlend, verängstigt, staunend, fragend, entzweit, gebannt, verlegen, nachdenklich, todernst, überwältigt...
Ihre vereinnahmende Präsenz startet immer wieder seinen Assoziationsmotor.

Galerie Gesellschaft, Berlin, 2004